Verständnis für Old Economy vs. New Economy

 

Durch neue Techniken wurde um die Jahrtausendwende in den USA und Europa eine Gründungswelle ausgelöst. Zahlreiche junge Unternehmen drängten auf die Märkte und an die Börse. Das hat dazu geführt, dass von Anlegern zeitweise scharf zwischen New und Old Economy unterschieden wurde. Eine klare Definition für diese Begriffe gibt es allerdings nicht. Gemeint sind aber in der Regel mit der New Economy junge, technologieorientierte Unternehmen. Zur Old Economy zählen traditionelle Branchen wie Stahl, Chemie oder Auto. Ob die Unterscheidung sinnvoll ist, ist umstritten.

 

Der rasche technische Fortschritt im Bereich der Informationstechniken (IT) und der Software, die schnelle Ausbreitung der Internetnutzung und der darauf ausgerichteten Dienstleistungen löste ab der Mitte der Neunzigerjahre in den USA und Europa eine Gründungswelle aus. Auch in der Gen- und Biotechnologie, der optischen Industrie und der Medienbranche kam es in allen Industrieländern zu einer Welle von Neugründungen. Um diese jungen Wachstumsunternehmen mit dem erforderlichen Kapital zu versorgen, ohne sie sofort den gleichen strengen Regeln und teuren Auflagen zu unterwerfen wie den Aktiengesellschaften, die an den traditionellen Wertpapiermärkten zugelassenen sind, wurde ein neues Börsensegment geschaffen: die Neuen Märkte. Unternehmen, die dort nach einem IPO (Einführungsphase in den Börsenhandel) registriert sind, werden meist pauschal der New Economy zugerechnet.

 

Die Neuen Märkte in Europa und Japan und deren Vorbild, die US-Wachstumsbörse Nasdaq, sollen die Gründer und die risikobereiten Investoren zusammenführen. Da sich das Interesse der Anleger vor allem 1999 und 2000 stark auf die Unternehmen der New Economy konzentrierte, kam es zu oft spektakulären Kurssteigerungen. Da viele der jungen Unternehmen noch keine Gewinne auswiesen, wurden von manchen Analysten und auch von Wirtschaftswissenschaftlern herkömmliche Instrumente der Aktienbewertung wie etwa das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in diesem Sektor für überholt erklärt. Stattdessen wurden Kennzahlen wie das Kurs-Umsatzverhältnis herangezogen, um einen Vergleichsmaßstab für die Bewertung der Unternehmen an den Neuen Märkten zu schaffen.

 

Zeitweise wurden die Unternehmen der Old Economy, der Branchen wie Chemie, Maschinenbau, Automobilindustrie, Elektrotechnik, Nahrungsmittel, Stahl oder Luftfahrt zugerechnet werden, kaum noch beachtet. Selbst die Blue Chips am Ersten Markt gerieten 1999 und 2000 in den Schatten der New Economy und wurden in der Börsenkapitalisierung zum Teil von Unternehmen überholt, die noch nie einen Gewinn ausgewiesen hatten. Die schweren Kurseinbrüche im Laufe des Jahres 2000 an den Neuen Märkten führten dazu, dass die Werthaltigkeit einer Aktie wieder stärker in das Blickfeld von Anlegern und Analysten rückte.

 

Viele sehen dieses Zusammenspiel von New und Old Economy als erstrebenswertes Ziel: Solide finanzierte und gut am Markt positionierte Unternehmen der Old Economy, die die technischen Möglichkeiten und Managementmethoden der New Economy erfolgreich integrieren. Da der Unterschied zwischen New und Old Economy fließend ist, weil sich Unternehmen aus beiden Bereichen zunehmend zusammenschließen und weil die Unternehmen aus dem Technologiesektor den gleichen konjunkturellen Schwankungen und "Alterungsprozessen" unterliegen wie alle anderen Unternehmen auch, wird von vielen Ökonomen der Sinn dieser Unterscheidung generell in Frage gestellt.

 

Seit der zweiten Hälfte der neunziger Jahre setzt sich mehr und mehr die These durch, dass mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien ein neues „goldenes" Zeitalter mit höheren Produktivitäts- und Wachstumsraten angebrochen sei. Worauf beruht der so genannte Neue Ökonomie-Effekt? Welche Alternativerklärungen existieren hierzu? Was ergibt sich hieraus für die Wirtschaftspolitik?

 

Die „Neue Ökonomie"-These einer technologischen Revolution, die mit einem neuen „goldenen Zeitalter" mit längerfristig höheren Produktivitätszuwächsen und höheren Wachstumsraten verbunden sei. Dabei beschreibt der Begriff „Neue Ökonomie" die Verschiebung der Beschäftigung von den klassischen Industriegütern (zum Beispiel Maschinenbau, Autoproduktion, Rohstoffverarbeitung und Chemie) zu wissensbasierten Dienstleistungen in den Feldern Technologie, Telekommunikation, Medien und Internet. Die Besonderheit dieser „knowledge-based industries" liegt in ihren positiven Netzwerken z.B. bei einem einheitlichen Computer-Betriebssystem oder dem Internet, die zu einem fortlaufenden, sich selbst verstärkendem Wachstum der Netzwerke führen, weil über eine längere Zeit immer mehr Nutzer einen Vorteil aus einer Teilnahme am Netzwerk ziehen und sich der Nutzen für die bisherigen Teilnehmer hierdurch vergrößert (positiver Feedback-Effekt bzw. steigende Skalenerträge);

 

Die Anhänger dieser Hypothese führen das vermutete Einschwenken der USA auf einen längerfristig höheren Wachstumspfad auf die starke Expansion der Informations- und Kommunikationsdienstleistungen zurück. Die mit der „neuen, digitalen Ökonomie" verbundene technologische Revolution, die mit hohen erwarteten Ertragsraten für Investitionen in moderne Technologien einhergeht, lasse das Produktionspotenzial bzw. die Angebotsseite auf Dauer kräftig wachsen. Ein neues goldenes Zeitalter anhaltend höheren Wachstums, niedrigerer und stabiler Inflationsraten, zunehmender Beschäftigung und einer nachhaltigen Steigerung der Produktivität stehe folglich höchstwahrscheinlich bevor. Dabei sei die stabilitätsorientierte Geldpolitik und die Fiskaldisziplin für die Aufrechterhaltung niedriger Zinsen verantwortlich, die wiederum hohe, produktivitätsfördernde und inflationsdämpfende private Kapitalinvestitionen ermöglichen würden. Dies würde schließlich durch einen effizienteren Kapitaleinsatz das reale Wachstum begünstigen.

 

Hier noch ein Überblick über die wichtigsten Merkmale im Unterschied zwischen Old Economy und New Economy:

 

 

 

Old Economy

New Economy

Unternehmensziel

Das gleiche wirtschaftliche Grundziel: Gewinne machen

Wirtschaftstheorie

Nahezu feste Regeln und Mechanismen: z.B. Angebot und Nachfrage

Zur Zeit nur eine Regel: Der Schnellste am Markt gewinnt, die beste Idee gewinnt. The winner takes it all!

Wirtschaftskonzept

Güter, Dienstleistung (persönlich, sozial)

Ideen, Informationen, Informationsdienstleistungen

Produktionsfaktoren

Rohstoff, Arbeit, Kapital

Arbeit, Kapital, Information, Kreativität

Produktionspreise

durch Marktgesetzmäßigkeiten erfassbar

durch Marktgesetzmäßigkeiten alleine nicht erfassbar

Weg

Langsames - sicheres wirtschaftliches Wachstum, Unternehmenswert kontinuierlich steigern, Entwicklung besserer Produkte

Wachstum durch hohes Potentialwachstum, Produktivitätszunahme durch neue und verbesserte Informations- und Kommunikationstechnologien

Startkapital

abgesichert durch die getätigten Investitionen, z.B. in Maschinen, Gebäude, Rohstoffe

keine absoluten Sicherheiten für die Kapitalgeber, nur zu einem sehr geringen Teil durch die Investitionen

Startkapitalgeber

Banken, Kreditinstitute

Venture Kapital Unternehmen

Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit

Rationalisierung, Entlassung, Fusionen

Verbesserte Netzwerke, Kooperationen

Bestimmung des Aktienwertes

Einschätzung der Vergangenheit

Einschätzung der Zukunft (höheres Risiko)

Unternehmenslebensdauer

Langlebig

Hohe Fluktuation

Unternehmensveränderung

Stetige, langsame Veränderung

Ständige, rasche Veränderung